Segelroman Makan Angin Kreuz im Süden

 

 

 

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Segelroman
" Makan Angin Kreuz im Süden"

Klappentext:

Ein Segeltörn in der Südsee: Gestandene Männer, Ureinwohner Ostfrieslands sozusagen, kaum des Hochdeutschen mächtig, geschweige denn anderer Fremdsprachen, ordnen sich einer Skipperin unter, die noch dazu aus dem Fränkischen kommt und die in Krisensituationen gerne wieder in ihre heimische Mundart zurückfällt – kann das gut gehen?

Es kann! Und so berichtet Autor Harald H. Risius von einem spannenden Segeltörn mit all den kleinen und großen Problemen, die ein gechartertes und schlecht gewartetes Boot mit sich bringt. Vor allem aber erzählt er über das unglaublich schöne Gefühl, auf den Spuren Captain Cooks auf dem Pazifischen Ozean zu segeln: von ruhigen Ankernächten, aber auch von gewaltigen Gewittern; von Fischen und Farben, vom Elmsfeuer und vom Kreuz des Südens – von der Erfüllung eines Lebenstraums.

Leseprobe:

„Karl“, ruft Marion. „Du hast doch die guten Beziehungen zu den polynesischen Göttern. Tawhiri-matea, oder wie heißt der noch mal, der Gott der Winde. Bestimmt gibt es doch einen Gesang für den Wind. Also, ich möchte Windstärke fünf und zwar aus Südost. Pronto!“

„Marion du hast die verkehrte Einstellung. Göttern befiehlt man nicht, sondern man bittet. Und wenn die es in ihrer Weisheit anders beschließen, dann solltest du das demütig hinnehmen. Ich glaube aber, daran mangelt es dir und deshalb klappt das mit dem Wind auch nicht.“

„Ha“, meldet sich Jan. „Wie war das noch, wollte ich dich nicht bei der nächsten Flaute nackt an den Mast binden? Vielleicht würden das die Götter ja als Opfer akzeptieren? Was meinst du Renate?“

„Ich glaube schon. Götter sind ja auch nur Männer! Meistens jedenfalls.“

„Sie muss aber am Mast kratzen, sonst hilft das nicht!“, findet Hinni.

„Also los Karl, such mal einen schönen Tampen!“ Jan wird plötzlich aktiv und greift Marion am Arm. „Komm mit!“

Marion steht sogar freiwillig auf und geht mit ihm nach vorne, zum Mast. Einfach ist das nicht, bei der Schaukelei, aber sie möchte zu gerne wissen, wie weit Jan gehen wird und wann ihn sein Mut verlässt.

„Und nun Jan, wie geht es weiter?“

„Ausziehen, die Götter wollen eine Jungfrau sehen!“

„Aber Jan, du soll mich doch opfern! Da musst du schon selber handeln!“ Marion lehnt sich provokativ an den Mast, umgreift ihn rücklings mit ihren Händen, sucht einen festen Stand und reckt ihre Brust vor, die unter der dünnen Pyjamajacke deutlich zu erkennen ist.

Jan ist unschlüssig. Gerne würde er ihr ja die Kleider vom Leib reißen, aber so die ganz feine Art ist das ja nicht. Wenn sie sich doch wehren würde. Er hatte ja nicht erwartet, dass Marion freiwillig das Spiel mitmacht. Bis zu diesem Punkt jedenfalls. Aber nun steht er mal mit ihr hier und blamieren will er sich auch nicht. „Karl, wo bleibt der Tampen?“

Karl ist wie alle anderen gespannt, wie Jan mit der Situation fertig werden will. „Ich finde nichts. Binde sie doch mit ihrem Pyjama fest!“

Unschlüssig geht Jan einen Schritt auf Marion zu. Genau in dem Moment wird das Schiff von einer besonders hohen Welle gepackt und Jan versucht den Want zu greifen, um sich daran festzuhalten. Er langt aber vorbei und fliegt in hohem Bogen über die Reling.

Aus und vorbei! Das ist sein erster Gedanke, bevor er ins Wasser eintaucht. Bilder von Birgit wirbeln ihm durch den Kopf. Ihr letztes Streitgespräch, wo sie ihn mit einem Striptease provoziert hat. Er sieht sich mit Imke in einer Disco tanzen. Auch sein Schreibtisch im Finanzamt mit den vielen Akten darauf, deren Bearbeitung er wegen seiner Eheprobleme immer wieder hinausgeschoben hat, erscheint vor seinem Auge. Er denkt an sein Sparbuch und die Segelyacht, die er davon kaufen wollte. Ein völlig neues Leben wollte er beginnen… Dann taucht er tief in die See und fängt an zu strampeln.

„Mann über Bord!“, schreit Renate. „Marion: Ausguck! Karl: Segel runter! Hinni: Motor an!“

Sie selber stürzt an den Heckkorb, greift die Lifesling, den hufeisenförmigen Rettungsring mit der Schwimmleine daran und schaut auf Marion, die ihren ausgestreckten Arm genau in Jans Richtung hält. Zum Glück hat das Schiff kaum Fahrt und Jan ist nur zwanzig oder dreißig Meter entfernt. Er wird aber schon von einzelnen Wellen verdeckt und taucht immer wieder unter. Alle halten den Atem an und tausend Gedanken wirbeln durch die Köpfe: Sie haben gelernt und sind immer davon ausgegangen, das ein Mann-Über-Bord-Manöver bei stark bewegter See kaum Chancen auf Erfolg hat. Aber das darf diesmal nicht sein, sie dürfen Jan nicht verlieren. Mit dieser Schuld oder Niederlage könnte keiner jemals wieder wie früher segeln. Adrenalin strömt durch ihre Körper, sie sind gespannt und hoch konzentriert. Jetzt darf keiner einen Fehler machen, jetzt wird sich beweisen, was ihre Seemannschaft wert ist…

Renate wirft den Ring so weit sie kann. Er platscht aufs Wasser und sie sieht Jan in einem Wellental auftauchen. „Jaaan, der Ring!“, schreit sie und atmet erleichtert auf als sie sieht, dass Jan hektisch atmend und spuckend versucht, dort hin zu kraulen.

Während Karl das Vorsegel einrollt, startet Hinni bereits den Motor und steuert langsam rückwärts in die Richtung, in die Renate den Ring geworfen hat.

Marion steht immer noch auf dem Kajütdeck. Sie hat von dort einen besseren Überblick als die anderen, die im niedrigen Cockpit stehen. „Jan hat die Lifesling gefasst!“, ruft sie.

„Okay! Motor auskuppeln, Hinni! Ich ziehe ihn mit der Leine heran.“ Sie versucht langsam zu ziehen, um Jan den Rettungsring nicht gleich wieder aus der Hand zu reißen. „Teufel ist das schwer!“

Karl kommt Renate zur Hilfe und gemeinsam ziehen sie langsam, bis Jan noch zwei, drei Meter vom Heck entfernt ist. „Bist du okay, Jan?“, ruft Karl.

Jan krallt sich an dem Rettungskragen fest, er schluckt und prustet, aber er hebt den Kopf und nickt zum Zeichen, dass er handlungsfähig ist.

Wie ein Fahrstuhl geht das Heck in den Wellen auf und nieder, Jan strampelt im Wasser und hält verzweifelt Abstand, um nicht unter das Schiff gedrückt zu werden. Renate klappt die Badeleiter herunter und achtet auf den Rhythmus der Wellen.

„Halt dich gut fest, Jan“, ruft sie. „Wenn das Heck unten ist, ziehen wir dich heran! Du musst dann sofort die Badeleiter greifen! Geht das?“

Allen klopft das Herz. Es sieht so einfach aus, aber es ist tatsächlich sehr schwierig, bei dem Seegang einen Menschen heil und unverletzt an Bord zu holen. Allen ist die Geschichte von dem Ehepaar bekannt, als in der Ostsee der Mann über Bord gefallen ist und die Ehefrau ihn selbst bei relativ ruhiger See nicht wieder ins Schiff bekam. Schließlich hatte sie ihn mit Leinen am Heck gesichert und fuhr in den Hafen – um dort festzustellen, dass der Mann inzwischen ertrunken war.

Zwei Wellen wartet Renate ab, dann hat sie den Rhythmus gefunden. „Jetzt!“, ruft sie und zieht die Leine heran. Karl kauert auf den Knien auf der Badeplattform um Jan nötigenfalls zu packen, falls er die Badeleiter nicht erwischt.

Gerade als das Heck beginnt sich wieder zu heben, ist Jan heran und kann die zweite Sprosse der Badeleiter greifen.

„Super!“, ruft Karl. „Und jetzt kräftig festhalten!“

Das Heck steigt, bis Jan fast mit den Füßen aus dem Wasser ist und in der Luft schwebt. Dann taucht das Heck wieder in das Wasser ein und sein Kopf verschwindet in der Welle. Alle halten den Atem an: Wenn Jan jetzt loslässt, dann gibt es keine Chance! Dann wird er unter das Schiff gedrückt, womöglich am Kopf verletzt und bewusstlos. Karl klammert sich an die Relingstütze, denn auch er wird von der See überspült.

Das Schiff beginnt sich wieder zu heben und im gleichen Moment packt Karl Jans Pyjama am Rücken und reißt ihn nach oben. Jan reagiert, seine Füße suchen die untere Sprosse der Badeleiter, er findet sie und er kann sich nach oben drücken, gerade als das Heck auf seinem höchsten Punkt angekommen ist.

Hinni hat das Ruder losgelassen, er packt Jan an beiden Oberarmen, krallt sich in den Stoff des Pyjamas bis dieser reißt und zieht ihn weiter hoch. Karl schiebt von unten nach und gerade als das Heck wieder im Wasser verschwindet, liegt Jan schwer atmend mit dem Oberkörper auf dem Deck.

Von hinten kommt eine besonders hohe Welle heran und bricht sich am Heck. „Karl, festhalten!“, kann Renate gerade noch rufen, dann verschwinden die Badeplattform und der Spiegel des Schiffes komplett unter Wasser. Langsam läuft das Wasser wieder ab und Karl schnappt nach Luft. Seine beiden Hände krallen sich um die Relingstütze.

„Los jetzt, beide ins Cockpit!“, kommandiert Renate. Hinni zieht Jan über das hintere Deck mit dem Sitz des Rudergängers ins Schiff. Karl kann sich aus eigener Kraft aufrichten und zieht sich am Heckkorb hoch. Einmal taucht das Heck noch ab, Karl steht bis zu den Hüften im Wasser und dann kann auch er sich über das Deck schwingen.

Jan sitzt erschöpft auf dem Cockpitboden. Seine Jacke ist komplett zerfetzt, er wirkt völlig apathisch, aber er scheint unverletzt zu sein. „Scheiße“, stammelt er und schüttelt den Kopf. „Das war knapp!“

Törnkarte

Törnkarte Makan Angin